Bildungssysteme, soziale Ungleichheit und subjektive Schichteinstufung : die institutionelle Basis von Individualisierungsprozessen im internationalen Vergleich
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Abstract
Der Beitrag untersucht den Einfluss von Bildungssystemen auf die Kollektivierung bzw. Individualisierung sozialen Handelns. Die zentrale These lautet, dass die Strukturierung sozialen Handelns u.a. auch von intragenerationalen Mobilitätsmustern, die durch die institutionellen Rahmenbedingungen einer Gesellschaft, insbesondere durch die jeweiligen Bildungssysteme geprägt werden, abhängt. In Gesellschaften mit standardisierten, stratifizierten und differenzierten Bildungssystemen wird intragenerationale Mobilität eingeschränkt, so dass strukturell privilegierte bzw. benachteiligte, homogene und stabile soziale Klassen entstehen können. In Gesellschaften mit unstandardisierten und undifferenzierten Bildungssystemen hingegen machen instabile und heterogene soziale Lagen die Entstehung kollektiven sozialen Handelns unwahrscheinlich. Geprüft wird die These anhand von Daten aus sechs Ländern (Ungarn, West- und Ostdeutschland, Russland, Grossbritannien, USA), die im Rahmen des "International Social Justice Project" (ISJP) gewonnen wurden. Es zeigt sich, dass die subjektive Wahrnehmung sozialer Ungleichheit in credentialistischen Ländern stärker durch Bildungstitel und Klassenlage strukturiert wird als in nicht- credentialistischen. Trotz aller sonst stark betonten Individualisierungstendenzen ist besonders in der Bundesrepublik Deutschland eine ausgeprägte Strukturierung der subjektiven Wahrnehmung sozialer Ungleichheit bzw. Strukturierung der subjektiven Schichteinstufung festzustellen. Im Laufe der Deregulierung der Arbeitsmärkte ist mit weiteren Individualisierungsschüben zu rechnen. (BIBB2)