Industriesoziologie als Katharsis
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Abstract
Der Artikel soll einen Beitrag zum methodischen und konzeptionellen Selbstverständnis der Feldforschung in der Industriesoziologie leisten. Im Mittelpunkt der Reflexion steht dabei die Erfahrung, dass das industriesoziologische Gespräch gewisse kathartische Wirkungen bei befragten Managern auslöst. Der soziale Kontakt in der Befragungssituation eines Interviews wird als Kompensationsmöglichkeit für den zurückgehaltenen Abbau sozialer Konflikte im Betrieb genützt. Die Möglichkeit einer Katharsis im industriesoziologischen Interview muss bei der Interpretation der Interviewbefunde in Rechnung gestellt werden (Sinn für die Symbolfunktion der Mitteilungen, Bemühen um die Rekonstruktion der latenten Dimensionen) und kann bei der Konstruktion von Erhebungsinstrumenten (non-direktive und projektive Verfahren) nutzbringend angewendet werden. Darüber hinaus sollte die Wirkung der Katharsis in die Reflexion der Soziologen über ihre eigene Rolle im Forschungsprozess einbezogen werden. (IAB2)