Trends in der politischen Kultur Deutschlands: Sind Organisationsmüdigkeit, Politikverdrossenheit und Rechtsextremismus typisch für die deutsche Jugend?
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Abstract
Bislang gibt es nur wenige Jugendstudien, die eine empirisch abgesicherte Bestimmung von Trends in der politischen Kultur erlauben. Der Beitrag skizziert Entwicklungen in der politischen Kultur Jugendlicher in der alten Bundesrepublik seit den sechziger Jahren, die aufgrund der Datenlage als abgesichert gelten können und sich auf Kohortenanalysen repräsentativer Bevölkerungsumfragen stützen. Ferner werden anhand einer Bevölkerungsumfrage von 1994 Unterschiede sowohl zwischen verschiedenen Alterskohorten als auch zwischen den neuen und den alten Bundesländern herausgearbeitet. Analysiert werden die Indikatoren Politisches Interesse, der Organisationsgrad Jugendlicher in politischen Parteien und Verbänden, die Parteien- und Politikverdrossenheit sowie politische Rechtstendenzen. Der Kohortenvergleich bestätigt im wesentlichen die verfügbaren Längsschnittdaten und belegt einige Trends im Verhältnis Jugendlicher zur Politik. Dies ist einmal der Wertwandel hin zu mehr Liberalität, Individualismus und Toleranz, zum anderen die heute wesentlich höhere Bereitschaft zum Rückgriff auf direkte politische Aktionsformen. Die repräsentativen Institutionen werden heute skeptischer beurteilt als dies bis in die späten sechziger Jahre der Fall war. Andererseits gibt es keine Hinweise darauf, dass der Trend zur Abkehr von der etablierten Politik mit einer Abkehr von demokratischen Prinzipien und einer negativeren Bewertung der Demokratie verbunden ist. Entgegen vielfachen Vermutungen sei auch keine Trendwende hin zu konservativen oder gar rechten politischen Vorstellungen zu beobachten. Linke politische Gruppierungen erfreuten sich nach wie vor einer grösseren Sympathie als rechte. Belegt scheint auch ein geringes Vertrauen der ostdeutschen Jugendlichen in das politische Institutionensystem. (BIBB)