Gleichheit der Bildungschancen - eine Chimäre?
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Abstract
Die Verteilung von Bildungschancen ist inzwischen zu einem wichtigen Problem der sozialen Gerechtigkeit geworden. Neuere bildungssoziologische Untersuchungen weisen auch für die jüngeren Geburtskohorten einen engen Zusammenhang zwischen Merkmalen der sozialen Herkunft und der Bildungsbeteiligung bzw. den erreichten Bildungsabschlüssen nach. Der Beitrag setzt sich mit den normativen Problemen, die die Forderung nach Chancengleichheit mit sich bringt, auseinander. Ist Identität der Bildungschancen überhaupt ein erstrebenswertes Ziel und wenn warum? Der Autor geht in einem ersten Schritt den Wurzeln des Begriffes "Chance" nach und in einem zweiten Schritt denen des normativen Begriffes "Gleichheit". Er versucht, die spieltheoretische Argumentation (Bildung als Glücksspiel bzw. als Wettkampf) und die gerechtigkeitstheoretische Argumentation (Bildungsförderung als Güterverteilung) voneinander zu lösen mit dem Ziel, einige der Ungereimtheiten und Widersprüche, zu denen die Forderung gleicher Bildungschancen geführt hat, aufzuklären. Der Autor kommt in seiner Analyse zu dem Schluss, dass der politische Kampfbegriff der Chancengleichheit als ein Leitbegriff des pädagogischen Handelns unbrauchbar ist. Aus pädagogischer Perspektive sollte es um eine effektive Gestaltung schulischer Organisationsformen gehen. Chancengerechtigkeit lasse sich im Bildungsbereich nicht vom Ergebnis her formulieren. Vielmehr müsse man sich bei der Planung von Bildungsprozessen mit reiner Verfahrensgerechtigkeit begnügen. Der Begriff Chancengleichheit sei kein einheimischer Begriff der Pädagogik. "Sein unbedachter pädagogischer Gebrauch lässt verkennen, dass die Grundtugend des Pädagogen gar nicht die vergleichende Gerechtigkeit, sondern das brüderliche Wohlwollen ist." (BIBB2)