Komplexe Erziehungswissenschaft jenseits von empirieloser Theorie und theorieloser Empirie : Versuch einer Brücke zwischen Systemtheorie und rekonstruktiver Sozialforschung

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"Das moderne Erziehungssystem kann im Hinblick auf seine Komplexität, seine Paradoxien und Probleme durch die Luhmannsche Systemtheorie in recht differenzierter Form beschrieben werden. Es stellt sich jedoch die Frage, wie nun die theoretischen Analysen in eine gegenstandsadäquate empirische Forschung übersetzt werden können. Zunächst ist davon auszugehen, dass anspruchsvolle Theorieprogramme, die selbstreferenzielle Prozesse abbilden und polykontexturale Verhältnisse beschreiben, als empirisches Forschungsprogramm eher mit qualitativen Methoden umgesetzt werden können. Aufgrund ihrer Theoriesprachen als auch von ihren unterschiedlichen Traditionen her scheint die rekonstruktive Sozialforschung mit der soziologischen Systemtheorie jedoch zunächst wenig kompatibel. Da Letztere als soziologische Disziplin zumindest in abstrakter Form von empirischen Sachverhalten handelt, erscheint es lohnend, den ihr implizit schon immer gegebenen empirischen Gegenstandsbezug methodologisch zu explizieren. Sie müßte sich dann acuh als eine rekonstruktive Sozialwissenschaft verstehen. In diesem Beitrag soll nun am Beispiel der dokumentarischen Methode im Sinne von Ralf BOHNSACK aufgezeigt werden, wie sich die Systemtheorie für empirische Forschung aufschließen läßt. Es kann gezeigt werden, dass dies durchaus theoriekonform, d.h. ohne den Rekurs auf subjektphilosophische Positionen und unter Beibehaltung der multiperspektivischen Beobachterperspektiven der Systemtheorie, möglich ist. Eine in diesem Sinne verstandene erziehungswissenschaftliche Forschung könnte sich nun sowohl empirisch als auch theoretisch begründet den komplexen Verhältnissen ihrer Gegenstände, etwa der Erziehung in Schule und beruflicher Ausbildung, stellen. Die Überlegungen werden am Beispiel einer Belehrung eines angehenden Arztes verdeutlicht." (Autorenreferat)

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