Wissen und Kompetenz
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Abstract
In seinem Vortrag auf der Jahrestagung der Gesellschaft für Bildung und Wissen (GBW) am 24.03.2012 in Frankfurt am Main, die sich den "Irrwegen der Unterrichtsreform" widmete, analysiert der Autor das Verhältnis von Wissen und Kompetenz. Er geht der Frage nach, inwiefern Kompetenz einerseits mehr als Wissen bedeutet und andererseits das Wissen unterbietet und aus welchen Gründen gerade dies Anlass zur Besorgnis gibt. Koch zufolge benötigen Kompetenzen zwar Wissen, aber dieses Wissen sei austauschbar und genüge einem psychologisch-konstruktivistischem Wissensbegriff. Dieser aber widerspriche einem objektiven philosophischem Wissensbegriff, der Wissen als Selbstzweck definiert. Die Schule in ihrem staatsbürgerlichen Auftrag habe zu wahrer Erkenntnis beizutragen und müsse als Türöffner für die menschliche Entfaltung verstanden werden. Der Autor beruft sich auf die anthropologische Grundeinsicht von Aristoteles und Herbart, dass die Menschen von Natur aus nach Wissen strebten und es Auftrag an die Lehrenden sei, deren Interesse zu nähren. Was die Ausrichtung der Bildung auf Könnens- bzw. Handlungsfertigkeiten (Kompetenzen) statt auf Aneignung von Wissen mit sich bringt, macht der Autor anhand des neu verordneten Umgangs mit Texten verständlich. Geistesprodukte wurden bis anhin hermeneutisch, also in einem verstehenden Annäherungsprozess, erschlossen. Mit dem Paradigmenwechsel zur konstruktivistischen Herangehensweise an Texte, die konstitutiv ist für das inhaltsneutrale Kompetenzlernen, ist die Deutung des Textes inhaltlich subjektiv bzw. relativ, weil die Existenz einer gemeinsamen Wahrheit grundsätzlich in Abrede gestellt wird. Auch dies ist ein wesentlicher Grund dafür, dass der Wissenserwerb als unbedeutend erscheint. (Autor, BIBB-Doku)