Transfer durch Krise? - Frankreichs Berufsbildungssystem zwischen Pfadabhängigkeit und deutschem Modell
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Abstract
Im Zuge der Eurokrise, während der die Jugendarbeitslosigkeit in Frankreich auf bis zu 25 Prozent angestiegen ist, ist das französische Ausbildungsmodell zunehmend in den Fokus wissenschaftlicher und medialer Debatten geraten: Neben arbeitsmarktspezifischen Faktoren wird die überwiegend schultheoretische, vollzeitschulische Berufsausbildung ursächlich für die schlechte Integration Jugendlicher in den französischen Arbeitsmarkt verantwortlich gemacht. Mit Blick auf die EU-weit niedrigste Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland wurde deshalb empfohlen, sich stärker am deutschen Dual-Modell, dessen Praxisnähe und marktorientiertem Charakter, zu orientieren. Doch die während der Eurokrise verabschiedeten Reformen für die Bildung und Berufsbildung sehen eine substanzielle Reform der beruflichen Erstausbildung nach dem deutschen Ausbildungsmodell nicht vor. Die vorliegende Studie untersucht mit Hilfe des Pfadabhängigkeitskonzepts von Paul Pierson, inwiefern die jüngsten Reformen und die sich darin widerspiegelnde mangelnde Orientierung am deutschen Modell durch ein Verhaften am bisherigen 'etatistisch-bürokratischen' Schulmodell der Berufsbildung zu erklären sind. Dazu wird zunächst die soziohistorische Entwicklung des heutigen französischen Bildungssystems nachvollzogen und auf dieser Grundlage in einem zweiten Schritt die Ergebnisse leitfadengestützter Experteninterviews mit bildungspolitischen Schlüsselakteuren präsentiert, die mögliche Erklärungen für das Ausbleiben einer Reform nach deutschem Modell beleuchten. (BIBB-Doku)