Was kommt nach dem "selbstgesteuerten Lernen"? : zu Irrwegen, Gegenhorizonten und möglichen Auswegen einer verhängnisvollen Debatte
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Abstract
Der Beitrag setzt an der modernisierungstheoretischen Behauptung an, dass sich im Zuge einer epochalen Freisetzung der Menschen aus sozialen Zusammenhängen Klassenbiografien in individuell-reflexive (Bildungs-)Biografien verwandeln. Die Erwachsenenbildung hat das darin enthaltene Individualisierungstheorem aufgenommen und liefert, gerahmt von einem neoliberalen Klima der Selbstverantwortung und -vermarktung des Einzelnen, eine zeitdiagnostische Grundlage für eine neue "radikal-konstruktivistische" Begründung selbstorganisierten Lernens, mit der Wirkung, dass die nach wie vor wirkenden sozialen Strukturen ausgeblendet werden. Mit Rückblick auf die Theorie Bourdieus und das darauf aufbauende Konzept der "sozialen Milieus" wird im Beitrag gezeigt, dass Lebensweisen und Biographien nach wie vor in soziale Zusammenhänge eingebunden sind und milieuspezifischen Charakter haben und dass daher konstruktivistische Programme selbstgesteuerten Lernens theoretisch wie empirisch gravierende Mängel aufweisen. An Stelle einer sozial blinden Selbststeuerung wird für eine reflexive milieubezogene Pädagogik plädiert, die in der Tradition der Teilnehmerorientierung steht. (Hrsg., BIBB-Doku)