"Stiefkinder" des beruflichen Lehramts: über Quereinstiege und Seiteneinstiege und die sogenannten "Sondermaßnahmen" zu deren Implementierung : Editorial
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Abstract
Durch die seit 2001 erfolgte sukzessive Weiterentwicklung der Lehramtsstudiengänge für Berufsbildende Schulen wurden die grundständigen Studiengänge verbessert und die außeruniversitären Zugänge zum beruflichen Lehramt eingeschränkt. Trotzdem entstammt nach wie vor ein hoher Prozentsatz der Lehrerkollegien sog. Quer- und Seiteneinstiegen, insbesondere in Fachrichtungen, in denen keine grundständige Ausbildung aungeboten wird und in sog Mangelberufen im gewerblich-technischen Bereich. Um hier Abhilfe zu schaffen, werden seit jeher sog. Sondermaßnahmen durchgeführt (Ausbildungskonzepte mit Sonderkonditionen). Im Fokus steht dabei generell die Qualitätsproblematik. Der Beitrag analysiert die Situation des Quer- und Seiteneinstiegs in das berufliche Lehramt, die bisher nur randständig erforscht ist. Ausgehend von der Bedarfslage in der Lehrerbildung für berufliche Schulen, der mangelhaften bzw. fehlenden empirischen Befundlage über diesen Professionalsierungsbereich und einem Blick über die nationalen Grenzen leitet der Autor Schlüsse für Sondermaßnahmen ab. Sondermaßnahmen seien danach spezielle Initiativen, in welchen es nicht darum gehe, Lehrpersonen zweiter Klasse zu gewinnen, sondern vielmehr eine profilierte Gruppe von Quereinsteigern zu rekrutieren und zu qualifizieren, um sie für eine weiterführende Personalentwicklung an den Schulen optimal vorzubereiten. Generell sollten keine direkten Hochschulabsolventen einbezogen werden, sondern Ingenieure mit mehrjähriger Berufspraxis. Die Einmündung von Quer- und Seiteneinsteigern stellt sich angesichts ihres Ausmaßes und ihrer Bedeutung als ein wesentlicher Teil des Gesamtsystems dar. Ohne sie könne der duale Ansatz absehbar in bedeutenden Ausbildungsbereichen nicht oder nur mit erheblichen Abstrichen umgesetzt werden. Sowohl die verdeckte und stigmatisierte Handhabung der nicht-grundständigen Lehrerbildung im beruflichen Sektor als auch das Fehlen diesbezüglicher wissenschaftlicher Zugänge und Befunde lassen befürchten, dass hier viele Möglichkeiten für eine bessere Ausgestaltung auf der Strecke bleiben. Vor allem in der Auseinandersetzung mit den informellen Lehrerbildungsprozessen in der bzw. parallel zur unmittelbaren Schulpraxis liege ein erhebliches Forschungsdesiderat, so Tenberg. (BIBB-Doku)