Attraktivität, Anforderungen und Bedarfe des Lern- und Arbeitsorts Häuslichkeit: Aus-, Fort- und Weiterbildung in der ambulanten Pflege aus Perspektive der Lernenden, Lehrenden und Praxis : eine bundesweite Online-Befragung
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783386
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Bundesinstitut für Berufsbildung
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Bonn
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Abstract
"Der Lern- und Arbeitsort Häuslichkeit gewinnt im Rahmen der pflegerischen Versorgung zunehmend an Bedeutung. Die Reform der Pflegeausbildung im Zuge des Pflegeberufegesetzes (PflBG) hat das Ziel, eine generalistische und bundesweit einheitliche Qualifizierung zu etablieren. Damit soll die Attraktivität des Pflegeberufs gesteigert, die Versorgung verbessert und die Ausbildungs- sowie Arbeitsbedingungen weiterentwickelt werden. Insbesondere für die ambulante Pflege ergeben sich aus dieser Reform spezifische Herausforderungen, da knappe personelle und strukturelle Ressourcen die Umsetzung der praktischen Ausbildung insbesondere im Setting der Häuslichkeit erschweren. Vor diesem Hintergrund untersucht das vorliegende Discussion Paper die Attraktivität, mögliche Chancen, aber auch Anforderungen und Bedarfe des Lern- und Arbeitsortes Häuslichkeit. Hierbei werden verschiedene Perspektiven berücksichtigt: Lernende, Lehrende, aber auch Mitarbeitende, Praxisanleitende sowie Leitungspersonen. Die Untersuchung basiert auf bundesweiten Online-Befragungen, die in der Zeit von Mai bis Juni 2024 durchgeführt wurden. Insgesamt wurden 1.628 Datensätze analysiert, darunter Beiträge von beruflich und hochschulisch Auszubildenden, Lehrenden sowie Vertreterinnen und Vertretern ambulanter Pflege- und Betreuungsdienste und Fort- und Weiterbildungsinstitutionen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Vorbereitung der beruflich und hochschulisch Auszubildenden auf die ambulante Pflege als grundsätzlich positiv wahrgenommen wird. Gleichzeitig besteht Optimierungsbedarf in der Vermittlung spezifischer Kompetenzen, die für das ambulante Setting essenziell sind, wie z. B. Selbstorganisation, Flexibilität, Improvisationsfähigkeit, aber auch interprofessionelle Zusammenarbeit v. a. auf Distanz bzw. mit wenig bis keinem persönlichen Kontakt. Zudem wird die Notwendigkeit einer stärkeren Vernetzung zwischen Ausbildungseinrichtungen und Praxispartnern betont, um den Theorie-Praxis-Transfer mit Fokus auf die Versorgung in der Häuslichkeit zu verbessern. Ein weiteres zentrales Ergebnis ist der hohe Fort- und Weiterbildungsbedarf, insbesondere für Praxisanleitende. Die ambulante Pflege stellt besondere Anforderungen an die Anleitungssituationen, da die Praxisanleitenden Lernende oft in Einzelbetreuung begleiten. Darüber hinaus bestehen strukturelle Herausforderungen, wie unzureichende personelle Ressourcen und trotz der bereits vorliegenden Rahmenausbildungspläne noch häufig fehlenden systematischen Konzepten zur konkreten Einbindung der v. a. spezifischen Lernsituationen in der häuslichen Pflege in die praktische Ausbildung. Gleichzeitig eröffnen sich aber auch Chancen: die enge Betreuung in der ambulanten Pflege ermöglicht individuell zugeschnittene Lernprozesse, direkte Einblicke in die ganzheitliche Versorgung und der Zusammenarbeit mit an der Versorgung beteiligten Partnerinnen und Partnern sowie Themen wie Leistungsabrechnung im häuslichen Umfeld. Dennoch zeigt sich, dass aktuell viele Auszubildende trotz positiver Praxiserfahrungen keine langfristige berufliche Perspektive in der ambulanten Pflege sehen. Hauptgründe hierfür sind hohe Arbeitsbelastungen und mangelnde Wertschätzung sowie eine als unzureichend empfundene Vergütung. Um diesen Chancen und Herausforderungen zu begegnen, empfiehlt die Studie gezielte Maßnahmen zur Stärkung der Ausbildung und Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der ambulanten Pflege. Dazu zählen die Entwicklung und Bereitstellung spezifischer Lehr- und Lernmaterialien - welche im Rahmen dieses Projektes erstellt und frei zugänglich für Praxisanleitende zur Verfügung gestellt werden sowie die Intensivierung von Vernetzungsaktivitäten zwischen Theorie- und Praxisakteuren. Zudem ist eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit erforderlich, um das Image der ambulanten Pflege zu verbessern und deren Potenzial als zukunftsweisendes Versorgungsmodell stärker in den Fokus zu rücken. Zusammenfassend zeigt die Untersuchung, dass der Lern- und Arbeitsort Häuslichkeit ein großes Potenzial zur Ausbildung und Kompetenzentwicklung von Pflegefachpersonen bietet. Um dieses Potenzial bestmöglich zu nutzen, sind jedoch nachhaltige strukturelle Anpassungen, innovative Ausbildungsansätze sowie eine gezielte Förderung der Praxisanleitung erforderlich. Die im Rahmen der Studie gewonnenen Erkenntnisse fließen bereits in die Entwicklung neuer curricularer Konzepte - unter Berücksichtigung der Rahmenpläne der Fachkommission - ein und bilden eine Grundlage für zukünftige Maßnahmen zur Weiterentwicklung der ambulanten Pflegeausbildung. Um jedoch die Attraktivität im ambulanten Pflegebereich nachhaltig zu verbessern bzw. zu erhöhen, darf nicht nur die Ausbildung im Fokus stehen, sondern auch die Arbeitsbedingungen selbst sollten berücksichtigt und idealerweise angepasst werden." (BIBB-Autorenreferat)
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