Das deutsche Bildungs-Schisma : Welche Probleme ein vorindustrielles Bildungssystem in einer nachindustriellen Gesellschaft hat
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Abstract
Das über lange Zeit im letzten Jahrhundert international hoch geschätzte deutsche Bildungssystem ist im letzten Jahrzehnt zunehmend in die Kritik geraten. Hauptaspekte der nationalen und internationalen Kritik sind vor allem das Ausmaß der sozialen Selektion im deutschen Bildungssystem, der zu geringe Anteil von Hochschulabsolventen, die prekäre Übergangssituation von der Schule in die Arbeitswelt und die Entwertung der unteren Bildungsabschlüsse. These des Autors ist, dass die heute verstärkt zutage tretenden Probleme des deutschen Bildungssystems insgesamt darauf zurückzuführen sind, dass es in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg keine umfassende Bildungsreform gegeben hat (auch vorher nicht), die das deutsche Bildungsschisma überwunden hätte. Zugleich stellt sich damit die Frage, warum es eine solche Reform nicht gegeben hat und sie nach der gerade beschlossenen Föderalismusreform nicht in Aussicht steht. Zur Begründung der These erörtert der Autor folgende Fragen: Was ist das deutsche Bildungsschisma? Wie ist es entstanden und wieso steht es mit den vorindustriellen Wurzeln des deutschen Bildungssystems in Verbindung? Warum ist es - trotz einzelner Bemühungen - zu keiner durchgreifenden, das Schisma aufhebenden Bildungsreform in Deutschland gekommen? Abschließend geht er darauf ein, weshalb die versäumte Bildungsreform jene Schwächen, die sich in einer nachindustriellen oder Wissensgesellschaft zu verschärfen drohen, zu verfestigen tendiert. (BIBB2)