Motivationssemester : eine ethnographische Untersuchung zur Erziehung jugendlicher Arbeitsloser
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132803
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St. Gallen
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Abstract
Motivationssemester bezeichnen in der Schweiz Beschäftigungsprogramme für arbeitslose Jugendliche, die am Ende der obligatorischen Schulzeit keine Lehrstelle finden konnten bzw. beim Berufseinstieg gescheitert sind. Die Dissertation untersucht die soziale Organisation dieser Programme mit ethnografischen Techniken. Zunächst differenziert sie die Motivationssemester in zwei Programmtypen, die dargestellt und hinsichtlich relevanter Vergleichsdimensionen analytisch charakterisiert werden. Anschließend wird das Modell einer negativen sozialen Auslese entwickelt. Hier werden primäre von sekundären Selektionskriterien unterschieden. Die primären Selektionskriterien (z.B. Gesundheit und adäquate Berufswünsche) legen die Bedingungen fest, unter denen Jugendliche überhaupt als mögliche Teilnehmer einer beruflichen Ausbildung gelten. Die sekundären Selektionskriterien bestimmen darüber hinaus, wovon die Chancen eines Jugendlichen abhängen, einen möglichen Arbeits- oder Ausbildungsplatz auch tatsächlich zu bekommen. Hierzu zählen ein sozial angepasstes Erscheinungsbild und Verhalten, das persönliche Engagement des Jugendlichen und ein schweizerischer oder ein nord- oder westeuropäischer Familienname. Anschliessend wird der Einfluss der Motivationssemester-Programme auf das Verhalten des Jugendlichen untersucht. Die Untersuchung deutet darauf hin, dass die Motivationssemester-Programme die Jugendlichen im Kampf um soziale Anerkennung unterstützen können. Sie ermöglichen ihnen, auf Dauer eine weniger problematische Selbstbeziehung zu entwickeln. Darüber hinaus lernen sie, moralische Ansprüche von betriebliche Agenten zu erfüllen, die über den Zugang zur Berufsausbildungswelt entscheiden. (BIBB-Doku)