Zur Semantik der "Ganzheitlichkeit des Lernens" in der Geschichte der kaufmännischen Bildung
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Abstract
Ganzheitlichkeit steht in der Berufs- und Wirtschaftspädagogik ungebrochen hoch im Kurs. In der Didaktik der kaufmännischen wie gewerblichen Bildung gilt sie als Schlüsselbegriff der Handlungsorientierung. Die Popularität der "Ganzheitlichkeitssemantik" fusst jedoch nicht auf einem eindeutigen Inhalt des zugrundeliegenden Begriffs, die Resonanz muss vielmehr mit ihrer spezifischen diskursiven Funktion erklärt werden. In der Wirtschaftsdidaktik wird ihre Leistungsfähigkeit u.a. auf Verweis auf ihre historische Dignität gestützt. Es ist jedoch fraglich, ob die Konstruktion einer Geschichte ganzheitlichen kaufmännischen Lernens historisch zutreffend ist und ob damit nicht Missverständnisse und Widersprüche provoziert werden. Diesen Fragen geht der Beitrag unter Bezug auf eine systemtheoretisch begründete Methodologie der Rekonstruktion "historische Semantik" nach. An drei Epochen wird deutlich, dass die Unterstellung einer historischen Kontinuität in der Semantik der Ganzheitlichkeit kaufmännischen Lernens unangemessen ist. Zudem unterstützt diese historische Konstruktion ein Fremdverständnis ganzheitlichen kaufmännischen Lernens, das diesem eine einseitige Qualifikationsorientierung unterstellt. (BIBB2)