Allen Jugendlichen ein Ausbildungsangebot!? : wie die "Ausbildungsneigung" und "Ausbildungsreife" der Jugendlichen im Spannungsfeld politischer Auseinandersetzungen verhandelt wird
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175520
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Abstract
"Die öffentlichen Diskurse der letzten Jahre über an Berufsbildung interessierte Jugendliche zeichnen kein positives Bild dieser Gruppe. Viele angebotene Ausbildungsplätze blieben deshalb unbesetzt, weil die Jugendlichen nicht ausbildungsreif seien. Die Berufsbildungsforschung indes kann diese harschen Behauptungen nicht bestätigen. Die Autoren zeigen in ihrem Beitrag auf, dass solche interessengeleiteten Vereinseitigungen auch im bildungspolitischen Kontext den Diskurs über Jugendliche maßgeblich bestimmen und die Generierung der Jugend als 'soziales Problem' aus dieser Perspektive zwingend notwendig erscheint, um bestehende Institutionen zu schützen. Dazu führen sie zunächst den Nachweis, dass sich die verschiedenen Akteure, die im Rahmen eines staatlich korporatistischen Verbundes an der Steuerung des dualen Berufsbildungssystems beteiligt sind, einem stetigen Legitimationsdruck ausgesetzt sehen. Dieser resultiert aus der verfassungsgerichtlich sanktionierten Erwartung, ungeachtet der freiwilligen Ausbildungsbeteiligung der Betriebe hätten stets genügend Ausbildungsplätze für ausbildungswillige Jugendliche bereitzustehen (Kapitel 2). Diese letztlich widersprüchliche Erwartungshaltung (freiwillige Ausbildungsbeteiligung der Betriebe ja, aber mit verbindlichem Versorgungsgrad) birgt insbesondere für die Arbeitgeber, aber auch für jene staatlichen Akteure ein Dilemma, die staatliche Eingriffe in den Selbstverwaltungsanspruch der Wirtschaft scheuen." Der Neo-Institutionalismus, aber auch institutionenökonomische Theorien wie die Prinzipal-Agenten-Theorie geben Hinweise darauf, wie Organisationen versuchen können, mit solchen institutionellen Widersprüchen und Herausforderungen zurechtzukommen (Kapitel 3) Die Lösungsversuche münden in eine Rechtfertigungsrhetorik, um ungeachtet aller Lehrstellenkrisen an dem für die Legitimation des marktförmigen Ausbildungszugangs zentralen Mythos festhalten zu können: "Jeder, der kann und will, enthält ein Ausbildungsangebot" (Kapitel 4). Den Preis für diese Rhetorik entrichten nicht nur die ausbildungslosen Jugendlichen, die sich im Rahmen der öffentlichen Diskurse entsprechenden Identitätszumutungen ausgesetzt fühlen, sondern auch das Ausbildungssystem selbst, das eine Funktion zur Generierung eines ausreichenden Fachkräftenachwuchses nur mit Einschränkungen nachzukommen vermag, und sich gegenüber entsprechenden Reformvorschlägen bislang weitgehend resistent verhielt (Kapitel 5)." (Textauszug, BIBB-Doku)