Vom Unsinn der Zahlengläubigkeit in der Bildungspolitik
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Abstract
Der Autor kritisiert die Zahlengläubigkeit in der Gesellschaft, "die von einem Hilfsmittel menschlicher Erkenntnis zu einer zwingenden, keinen Widerspruch duldenden Überwältigung des humanen Erfahrungswissens und des freien Geistes, den beiden Quellen von Bildung, mutiert." Auf drei Aspekte dieser Entwicklung wird dabei eingegangen: die zunehmende Ökonomisierung fast aller Lebensbereiche, die unablässige Komplexitätssteigerung der Gesellschaft und damit einhergehend und kontrapunktierend ein zunehmender Verlust an praktischer Urteilskraft. Die Folgen seien nicht ein Zuwachs an Bildung, sondern die Erziehung zum passiven Konsumenten einer Vielzahl von Wissenshäppchen. Das Verstehen von Zusammenhängen, Entwicklungen, Wirkungsgeschichten weiche zusammenhanglosen Datenkenntnissen und die Hinwendung zum Zähl- und Messbaren kompensiere abnehmende Urteilskraft. Aufgabe wirklicher Bildungspolitik vor diesem Hintergrund sei es, "den Menschen in Distanz wie Souveränität gegenüber der Welt der Zahlen zu setzen, ihm Sinnhaftigkeit, Orientierung und Wegweisung zu eröffnen". Fragen nach individueller und kollektiver Sinnhaftigkeit und die Bewältigung konkreter Herausforderungen lassen sich durch Zahlen nicht beantworten, so Depenheuer. (BIBB-Doku)