Akademikerprognosen und die Dynamik des Hcohschulsystems
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Göttingen
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Abstract
Bildungshistorische Untersuchungen von "Überfüllungskrisen" - Zeiten, in denen wesentlich mehr Absolventen die Hochschulen verliessen, als vom Beschäftigungssystem aufgenommen wurden - haben langfristig wirksame Zusammenhänge aufgezeigt, die eine eigendynamische Entwicklung der Studentenzahlen unterstreichen. Die Arbeit untersucht diese langfristige Eigendynamik fachspezifischer Studentenströme. Die Arbeit geht von der historisch - statistischen Analyse von vier Akademikerprognosen aus dem Kaiserreich (W.LEXIS), der Weimarer Republik (G.MÜLLER) und der Bundesrepublik (WISSENSCHAFTSRAT und H.RIESE) aus. Prognosen werden als Modelle des Hochschulsystems zum damaligen Zeitpunkt betrachtet und unter Berücksichtigung ihrer Entstehungsgeschichten und der Standpunkte ihrer Autoren mit der tatsächlichen späteren Entwicklung verglichen. Dabei ergeben sich für die Abweichungen von Prognose und realem Geschehen sowohl jeweils spezifisch historische Gründe als auch von den Prognosemodellen abhängige systematische Gründe. Die Weiterentwicklung der Modelle und die Vergrösserung ihrer Prognosekapazität im Zeitraum von 75 Jahren wird aufgezeigt und in Verbindung mit der tatsächlichen Entwicklung des Hochschulsystems gesetzt. Aus dem Ertrag der historischen Analyse ergibt sich eine systematische Kritik der Modelle. Das Hochschulsystem lässt sich auf dieser Grundlage begreifen als weitgehend "autonomes" Teilsystem der Gesellschaft. Seine "Autonomie" benötigt es u.a. dazu, zwei im Widerspruch stehende "Leistungs"beziehungen zum familiär-sozialen und zum wirtschaftlichen Teilsystem zu unterhalten und zu integrieren. Dadurch erfüllt es auch die "Funktion" der Verteilung der sozialen Chancen, die eine akademische Ausbildung bietet. Sein Wachstum geschieht dabei in zwei verschiedenen Weisen: als "Eigenausbauphasen" und als Breitenwachstum". Auf der Grundlage dieser Einschätzung werden die statistischen Methoden der modernen Zeitreihenanalyse als die Methoden hergeleitet, mit denen Variable eines solchen Systems untersucht werden können. Die statistische Analyse von vier 157 Jahre langen (1831 - 1986) Fachströmen erfolgt anschliessend durch Filter zur Trendbereinigung, Spektralanalyse zur Zyklenbestimmung und Box-Jenkins-Modelle zur Untersuchung spezieller dynamischer Parameter. Die detaillierte statistische Herleitung der Methoden und ihre sozialwissenschaftliche Begründung erlaubt es, die rein rechnerischen Ergebnisse einerseits in ihrem statistischen Gehalt vollständig zu erfassen und andererseits in sozialwissenschaftlichen, empirisch gehaltvollen Aussagen zu reformulieren.-Im Schlussteil werden als Konsequenz aus diesen Ergebnissen mögliche Ansatzpunkte für "Verbesserungen" von Prognosen und ihre Auswirkungen auf Öffentlichkeit und Wissenschaft benannt. (IAB2)
Description
Zugl.: Göttingen, Univ., Diss., 1989