Die Diskrepanz zwischen formeller und informeller Organisation des Industriebetriebes : ein überraschender empirischer Befund aus einer Politstudie bei Lehrlingen
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122811
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Opladen
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Abstract
Auf der Datengrundlage einer 1980 in Niedersachsen durchgeführten explorativen "Lehrlingsstudie" stellt der Autor das Auseinanderfallen der Persönlichkeitsmerkmale von Auszubildenden in Qualifikationen, die für den Erfolg massgebend sind einerseits, und in Eigenschaften, die zu Beliebtheit verhelfen andererseits, fest. Dies spiegelt die Differenzierung in formelle und informelle Organisation des Betriebes wider. Die informelle Organisation, die im wesentlichen auf der Bildung von freiwilligen Gruppen und Freundeskreisen beruht, beinhaltet somit andere Werthaltungen als die formelle. Sie kann in vielen Hinsichten als Ergänzung und Ausgleich zu den formellen Anforderungen des Arbeitsplatzes angesehen werden. Dies schliesst aber keineswegs Konflikte zwischen den beiden Orientierungen aus. In der betriebssoziologischen Literatur wurden die Funktionen und Folgen von formellen und informellen Gruppen und Strukturen umfangreich diskutiert, bisher wurde aber zuwenig deutlich, dass sie auf unterschiedlichen Werthaltungen beruhen und daher auch Personen mit unterschiedlichen Persönlichkeitsmerkmalen gute Durchsetzungschancen bieten. Mit wenigen Ausnahmen ist zu erwarten, dass derjenige, der den formellen Erfordernissen des Betriebs gut entspricht, gleichzeitig kaum einen grossen Einfluss in dem informellen Beziehungsgeflecht gewinnen kann. Umgekehrt ist jener, der auf seine Beliebtheit achtet, in seinen Bemühungen, im Betrieb erfolgreich zu sein, relativ stark eingeschränkt. Für die Zukunft des Lehrlings wird es daher von grösster Bedeutung sein, welcher Orientierungshorizont für ihn die grössere Bedeutung gewinnt und welchem Persönlichkeitsmodell er sich daher vornehmlich zu nähern trachtet. (IAB2)