Berufsbildung in Deutschland als Berufsbildung für Europa? : Strukturen und Probleme des Berufsbildungstransfers
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Abstract
Der Beitrag setzt sich kritisch mit der Frage auseinander, inwieweit der international "gute Ruf", den das deutsche Berufsbildungssystem derzeit genießt, berechtigt ist. Zunächst betrachtet der Autor zwei Argumentationsstränge, die häufig bei der Darstellung der Vorzüge des deutschen Berufsbildungssystems verfolgt werden ("Dualität der Berufsbildung" und "geringe Jugendarbeitslosigkeit") und relativiert diese. Nachfolgend untersucht er die Struktur der dualen Berufsausbildung, wobei auch historische Entwicklungslinien aufgezeigt werden. Vor diesem Hintergrund werden vom Autor sechs Problemfelder identifiziert und beschrieben, die seiner Meinung nach zu einem Attraktivitätsverlust der Berufsbildung führen und mit Blick auf einen Systemtransfer in andere Länder als kritisch anzusehen sind: (1) Wirtschaftliche Konjunkturabhängigkeit der betrieblichen Ausbildung; (2) Fortbestand und Ausbau der etablierten vollzeitschulischen Ausbildungsgänge; (3) Entkopplung der Berufsbildungstheorie von der allgemeinen Bildungstheorie; (4) Erosion der klassischen Ausbildung durch Wandel von Gesellschaft und Berufsanforderung; (5) Mangel an grundständig ausgebildeten Lehrkräften insbesondere in den gewerblich-technischen Fächern; (6) Notwendigkeit der Lernortkooperation. Trotz der aufgezeigten Probleme spricht sich der Autor abschließend nicht grundsätzlich gegen den Export der deutschen Berufsbildung aus. Es müssten jedoch immer die politischen, gesellschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen mitthematisiert und der Transfer als ein "Dialog zwischen den Kulturen" verstanden werden. (BIBB-Doku)