Ist die industrielle Ausbildung ein Auslaufmodell?

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"Die heutige Krise der Berufsausbildung beruht anders als vor 20 Jahren nicht auf Defiziten in der Berufsausbildung selbst, analysiert Prof. Dr. Gerhard Bosch. Die Sozialpartner hätten ihre Hausaufgaben gemacht und die Berufe modernisiert. Der Druck komme vor allem von außen durch die zunehmende Akademisierung, unterstützt durch die Prekarisierung der Erwerbsverläufe vieler beruflich Qualifizierter. Bosch sieht vier Ansatzpunkte für notwendige Veränderungen: Der erste Ansatzpunkt ist die Bezahlung. Fachkräfte müssen einen Facharbeiterlohn und nicht nur den Mindestlohn erhalten, was in der Fläche nur durch eine Erhöhung der Tarifbindung gewährleistet werden kann. Ebenso wichtig ist auch eine angemessene Bezahlung bei einem beruflichen Aufstieg. Wenn ein junger Bachelor schon beim Berufseinstieg mehr bekommt, als ein Meister mit 20 Jahren Berufserfahrung etwa als Leiter der Ausbildungsabteilung mit 30 Untergebenen, dann lautet die unmissverständliche Botschaft: Studiere!!! Diese Botschaft wird gegenwärtig in den Betrieben massenhaft verbreitet. Der zweite Ansatzpunkt ist Sicherheit: Die Unternehmen müssen Jugendlichen nach der Ausbildung schneller einen unbefristeten Vertrag geben. Der dritte Ansatzpunkt ist die Karriereförderung bis ins mittlere Management, die beruflich Qualifizierten mit einer Aufstiegsfortbildung bislang offenstand. Wenn Unternehmen diese Funktionen für Akademiker oder die Absolventen dualer Studiengänge reservieren, wird der karriereorientierte Teil der Jugendlichen gleich auf die Hochschule gehen. Der vierte Ansatzpunkt ist die Vergrößerung der Pools potentieller Auszubildender. Die größten Reserven liegen hier bei jungen Ausländern. Arbeitsplatzsicherheit und die im deutschen Qualifikationsrahmen verankerte Gleichstellung von Meistern/Fachwirten/Technikern mit den Absolventen von Bachelor-Studiengängen werde kaum thematisiert und in der Praxis nicht eingelöst, nicht zuletzt, weil sie Wünschen nach einer weiteren Deregulierung des Arbeitsmarktes in großen Teilen der Wirtschaft entgegenstehen. Die Versprechen, die heute mit einer Berufsausbildung gegeben werden, wie gute Bezahlung Sicherheit und Aufstiegsmöglichkeiten, müssten in der Praxis auch eingehalten werden, sonst orientieren sich die Jugendlichen eben anders." (Hrsg., BIBB-Doku)

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