Bildung bedeutet nicht Anpassung, sondern Widerstand
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Abstract
"Einen philosophisch-aufklärerischen Kontrapunkt zum technokratisch-funktionalistischen Bildungsverständnis setzte die Professorin für Allgemeine Pädagogik an der Universität zu Köln, Ursula Frost, mit ihrem Referat unter dem Titel 'Bildung bedeutet nicht Anpassung, sondern Widerstand'. Zur Veranschaulichung ihrer These griff sie auf wesentliche Persönlichkeiten und Erkenntnisse der europäischen Geistesgeschichte zurück: Mit dem "Widerstand gegen die Unbildung" in Anlehnung an Platons Höhlengleichnis belegte Professorin Frost die befreiende Aufgabe der Bildung, die den Weg zum eigenständigen, vom Sinnlich-Vordergründigen unabhängigen Denken beinhaltet. Dieser Weg, der es dem zunehmend tiefer denkenden Menschen erlaubt, gedankenlose Konformität verlassen zu können, ist allerdings nicht ohne persönliche Anstrengung zu erlangen. Kants Botschaft in "Was ist Aufklärung" fasste Frau Frost in die Formel "Bildung als Widerstand des Selbstdenkens" - gegen Fremdsteuerung - zusammen. Denn die Überwindung der "selbstverschuldeten Unmündigkeit" durch den Gebrauch der eigenen Vernunft ermöglicht es dem Individuum, seine naturgemäße Bestimmung als Mensch, seine Würde zu wahren. In Anlehnung an Humboldt formulierte die Professorin den notwendigen "Widerstand der Humanität gegen die Verzweckung" zum Schutz der menschlichen Persönlichkeit. Mit diesem Bildungsanliegen traf sie den zentralen Nerv der Funktionalisierung der Schulen und Hochschulen und deren "Outcome" als Dienstleister für bestimmte, vornehmlich ökonomische Interessen. Bildung im Sinne des Humanismus widersteht jedoch grundsätzlich jeglicher Indienstnahme und ist ausschließlich der allseitigen Entfaltung der menschlichen Kräfte im Kind wie im Jugendlichen verpflichtet. Als weiteres Merkmal echter Bildung nannte Professorin Frost mit Referenz auf Nietzsche den notwendigen Widerstand der Individualität gegen die Vereinnahmung durch die Massenproduktion, die mit der Kommerzialisierung der Bildung als Geschäft einhergeht. Das Zeitalter der Bildungsstandards - fasste sie zusammen - bedeute das Ende der Bildung, die sich am Anspruch der Sache, an mündiger Kritikfähigkeit, Humanität und Individualität orientiere. Dagegen sei Widerstand auf der ganzen Linie angesagt." (Kissling/Klein 2010, BIBB-Doku)
Quelle des Abstracts: http://www.bildung-wissen.eu/tagungen/Tagung_Bildungstandards_Uni_Koeln.pdf
Quelle des Abstracts: http://www.bildung-wissen.eu/tagungen/Tagung_Bildungstandards_Uni_Koeln.pdf