Über Berufsausbildung, Facharbeitermangel und Marktwirtschaft

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Abstract

Der Autor analysiert in diesem Beitrag die Hintergründe der Diskussion um Nachwuchskräfte- und Facharbeitermangel. Er kommt dabei zu folgenden Schlussfolgerungen: "Wenn es zwar keinen Nachwuchs-, aber dennoch einen Facharbeitermangel gibt, so liegt das nicht am Ausbildungssystem, sondern am Beschäftigungssystem und nicht an den Jugendlichen, die kein Interesse mehr an einer Lehre haben, sondern an den jungen Facharbeitern, die genau das tun was in einer Marktwirtschaft von ihnen erwartet wird: Sie verhalten sich marktkonform und wandern dorthin, wo sich ihnen langfristig die günstigeren Chancen bieten, gegebenenfalls zu den Hochschulen. Die Fehlinterpretation des Facharbeitermangels als Mangel an ausbildungswilligen Jugendliche, wird indes mit so viel Nachdruck und publizistischem Aufwand betrieben, dass sich erahnen lässt, welche tiefgreifenden Umwälzungen es heraufbeschwören würde, wenn sich die Wirtschaft der eigentlichen Ursache des Facharbeitermangels stellte und auf Abhilfe sänne. Weil das nicht in hinreichendem Masse geschieht, werden auch künftig alle im Bildungs- oder Ausbildungssystem errichteten Dämme - mögen sie Zentralabitur oder Zugangsprüfung zu Hochschulen heissen - den Abstrom betrieblich ausgebildeter Fachkräfte nicht verhindern können. Dazu sind die vom Beschäftigungssystem ausgehenden Anreize, sei es in Form eines ausgeprägten Gefälles der Einkommen, der Positionen oder auch der Autonomie und Qualität von Tätigkeiten, zu stark und unmissverständlich. Unter den gegebenen Voraussetzungen wird es daher kaum möglich sein, beide Ziele zu verwirklichen: ein auch künftig wachsendes Qualifikationsniveau sowie eine Minderung des Abstroms qualifizierter Kräfte aus einer Vielzahl von Tätigkeitsbereichen. Das könnte gelingen, wenn die eigentliche Ursache der Wanderungsbewegungen, also das Anreizsystem selbst, verändert wird. Denn: Nur wenn die Hierarchien, seien es die der Einkommen, Positionen oder Tätigkeiten, flacher werden, wird der persönliche Nutzen der Abwanderung sinken." (IAB2)

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