Bildung als Gesellschaftspolitik (Themenschwerpunkt)
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Abstract
Vor dem Hintergrund der Herausforderungen der Übergangsphase von der Industrie- zur Wissensgesellschaft beleuchten die Autoren die Aufgaben der Bildungspolitik. SCHWENGEL/WEST sehen die Aufgabe der Bildungspolitik in der Wissensgesellschaft darin, dass sie dem Gemeinwohl verpflichtet bleibt, aber wettbewerbsorientierte Bildungskonzepte innovativ integriert. Bildung selbst müsse die Möglichkeit haben, den Übergangsprozess zur Wissensgesellschaft aktiv zu strukturieren. PRIDDAT lenkt den Blick auf den Aspekt der sozialen Gerechtigkeit von Bildung. Qualitative wie organisatorische Mängel im deutschen Bildungswesen verlangen nicht nach mehr Investitionen, sondern nach neuen, wirtschaftsoffenen Bildungskonzepten, die den Bedürfnissen der Wissensgesellschaft Rechnung tragen. HOLZAPFEL beschreibt die "langen Linien der Bildungspolitik". Nach den bildungspolitischen Reformphasen zum Beginn der Weimarer Republik und in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts steht ein neuer Aufbruch in der Bildungspolitik an. Dieser müsse den veränderten Zeitbedingungen Rechnung tragen und dürfe sich nicht in einem Zuwachs an Mitteln und Ausstattung erschöpfen, will er nicht wieder als kurze Konjunkturwelle verebben. WALTER fragt, welche Bildung braucht Gesellschaftspolitik und welche Gesellschaftspolitik braucht Bildung und welche unterstützenden Rolle die Gewerkschaften hierbei spielen können. RÖDER untersucht das Verhältnis von Erwerbsarbeit und Bildung und entwickelt Ansätze für die Weiterentwicklung der politischen Bildung und neue Ansätze für die berufliche Aus- und Weiterbildung. Bildung dürfe ihr emanzipatorisches Potenzial nicht als "Anpassungsqualifizierung" zugunsten ökonomischer Verwertbarkeit einbüssen. Sie müsse sich als Gegengewicht zum neoliberalen "Eigentümerkapitalismus" auf Demokratie, Solidarität und Nachhaltigkeit beziehen. Positionen zu Zeitfragen aus Bildung und Erziehung beziehen AHNEN/GERSTENKORN/STANGE. Mit Fragen der Bildungsfinanzierung und Verteilung beschäftigt sich BARBARO. Öffentliche Bildungsfinanzierung sei hinsichtlich ihrer Verteilungswirkung nicht unsozial, wie von ihren wettbewerbsorientierten Kritikern immer wieder behauptet wird. Die These von der regressiven, die oberen Einkommensschichten begünstigende Verteilungswirkung der Bildungspolitik sei so nicht zu belegen. Für die Forderung nach einem Rückzug des Staates aus der Bildungsfinanzierung gebe es damit aus volkswirtschaftlicher Sicht keine empirische Grundlage. Zum Zusammenhang von Einkommensverteilung, Wachstum und Beschäftigung äussert sich NIEMEIER. Er fragt, ob eine "gerechte" Einkommensverteilung Wachstum und Beschäftigung verhindere. (BIBB2)